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Shanghai, China

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Mein erstes Mal in China. Und ich habe so viele Eindrücke gesammelt, die ich schlecht in einen einzigen Blog-Post zwängen kann. Mercedes-Benz hatte mich auf die Auto Shanghai 2013 eingeladen, neben der Auto Messe in Peking die größte Auto Show in China überhaupt. Wir waren im Park Hyatt Hotel (welches sich in den oberen Stockwerken des Shanghai World Financial Center befindet) untergebracht, was sich im Finanzdistrikt von Shanghai befinden. Auf der Weg vom Flughafen zum Hotel haben mich mehrere Dinge vollkommen überrascht. Zum einen habe ich kaum Fahrräder gesehen, dafür aber Unmengen von Autos mit dem VW Emblem. Die meisten davon waren Santana, die Volkswagen – bzw Shanghai Volkswagen – dort ja schon seit Mitte der 80iger Jahre produziert und unter die Leute bringt. Dann ist Shanghai sehr grün. Es hat mich fast ein wenig an Berlin erinnert.

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Bei diesen Reisen hat man ja wenig Zeit bzw ein sehr volles Programm. Nach der Ankunft im Hotel habe ich aber mit Kim und David die Zeit genutzt und wir sind ein wenig durch die Gegend gelaufen. Dabei bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass irgendwo gerade eine ganze Menge Reisebusse gehalten hatten, wo sonst sollten denn diese ganzen Chinesen herkommen. Überall auf der Strasse war es sehr sauber, wenn man nicht gerade an einer der zahlreichen Baustellen vorbei gekommen ist. Die Chinesen in Shanghai – zumindest aber in diesem Teil der Stadt (Pudong) – sehen sehr westlich aus, was die Frisuren und auch die Klamotten angeht. Auf dem ganzen halbstündigen Ausflug habe ich vielleicht zwei Personen gesehen, die meinem Bild von einem Chinesen entsprachen. Der eine verkaufte von dem Grill auf dem Gepäckträger seines Mofa gegrillte Maiskolben, der andere kleine Spilezeug-Soldaten, die mit dem Maschinengewehr im Anschlag über den Bürgersteig robbten. Im Gegensatz zu meine Klischee-Denken fanden sich aber jede Menge Logos an diversen Geschäften, die uns hier auch sehr vertraut sind – McDonalds, Apple, Converse, Mercedes-Benz und und und.

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Viel Zeit war – wie erwähnt – nicht. Im Anschluss an unseren kleinen Ausflug ging es zur Vorpremiere des Mercedes-Benz Concept GLA (Link mit mehr Information zu meinem Auto-Blog). Dann schnell noch im Hotelzimmer, welches sich im 81. Stockwerk des riesigen Flaschöffner-Gebäude befand, frisch machen und im 91. Stockwerk zu Abend essen. Mittlerweile war es dunkel geworden und Shanghai präsentierte sich wundervoll schön beleuchtet (es ist wirklich krass, selbst Hochstrassen präsentieren sich hübsch blau illuminiert). Um 23 Uhr ist dann aber ruckartig Schluss mit dem visuellen Zauber. Dann wird nämlich Strom gespart und alle Lampen werden ausgeschaltet.

Am nächsten Morgen hatte sich es auch vorerst mit der schönen Aussicht erledigt, unser Hotel-Turm befand sich in den Wolken und den Boden konnte man nicht mal erahnen. Generell leidet Shanghai auch unter Smog. Das macht sich bemerkbar, weil der Horizont in einer Art Nebel verschwindet. Nach einem frühen und kurzen Frühstück wurden wir dann zur Messe geshuttelt. Selbst auf der Rückback sitzend, lernt man schnell, wie das Autofahren in Shanghai funktioniert. Die Spuren der Strassen (wir waren meist auf 3-4 spurigen Strassen unterwegs) gelten allenfalls als Orientierungshilfe. Man fährt, wo gerade Platz ist – und ganz ganz wichtig – hupt immer wieder, um andere Autofahrer auf sich aufmerksam zu machen.

Die Autoshow in Shanghai hat gigantische Ausmasse – ich denke sie ist fast so gross wie die IAA in Frankfurt und mindestens genauso überlaufen. Ich habe die Pressekonferenz von Mercedes mitgenommen, dort haben sie dann offiziell das GLA Konzept vorgestellt und auch eine Langversion der neuen Mercedes-Benz E-Klasse, die in China gebaut wird und auch (vorerst?) nur dort vertrieben wird. Später war ich dann auch noch bei der PK von smart, wo die Strassenversion des geflügelten smart fortwo vorgestellt wurde – der smart fortwo edition by jeremy scott. Weitere Bilder zu den beiden Veranstaltungen habe ich auch noch bei Flickr abgelegt.

Auto Shanghai 2013: Mercedes-Benz Concept GLA

Die Automesse an sich war sehr anstregend. Ständig bekommt man Ellenbogen-Checks. Niemand entschuldigt sich. Niemand nimmt Rücksicht. Wenn Du Deine Bilder schiessen willst, brauchst Du viel Geduld und Ausdauer. Ich habe mir sagen lassen, dass dies zur chinesischen Mentalität gehört. So bewegt man sich eben in China. Ich würde mir wünschen, dass man dort auch bald genauer hinsieht, wer am Pressetag eine Karte bekommt, denn Journalisten waren das nun wirklich alles nicht. Seine Arbeit zu erledigen ist wirklich ein harter Job dort.

Ich bin auch nicht zu lange auf der Messe geblieben, sondern gegen späten Mittag wieder zurück ins Hotel gefahren. Das Jetlag. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Nach einem Entspannungsbad habe ich mich ans Hotelfenster gesetzt und mir das Treiben – ich bin geneigt „unten auf der Erde“ zu schreiben – am Boden angesehen. Mein Zimmer hatte den Blick nach Norden – auf den Huangpu-Fluss (und den Oriental Pearl Tower) – und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Schiffe gesehen habe. Auf dem Fluss ist wirklich ein reges Treiben. Auch beim Anflug auf Shanghai waren mir schon diverse befahrene Wasserstrassen aufgefallen.

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Zum Abendessen sind wir unter dem Fluss hindurch in das alte französische Viertel gefahren. Um nach dem Essen auf der Uferpromenade (Bund) einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Auf dem Rückweg zum Shuttle sind wir noch durch die Fussgänger-Zone geschlendert. Da hat mein iPhone-Akku schlapp gemacht, so dass ich meine Erinnerungen an diesen Ausflug gut in meinem Kopf konservieren muss, bis ich dann vielleicht noch einmal Shanghai besuchen kann, vielleicht sogar mit ein wenig mehr Zeit.

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Denn so richtig viel von der Stadt und seinen über 13 Millionen Einwohnern habe ich nicht sehen können. Lediglich die gesperrten Online-Plattformen Facebook und Twitter haben einen immer wieder daran erinnert, dass man sich in China befindet, wo man doch mit Menschenrechten anders umgeht, als wir das im Westen für richtig empfinden. Am Restaurant standen einige Bettlerinnen, in der Fussgängerzone wurden uns „Massagen“ angeboten, auf der Messe liefen behelmte Soldaten herum, am Flughafen konnte man dubiose Geschäfte abschliessen. Aber Shanghai ist wohl – nicht umsonst trägt es den Beinamen „Paris des Osten“ – ein guter Einstieg, um sich langsam der chinesischen Kultur anzunähern. Praktischer Weise sind die meisten Verkehrs- und Informationsschilder in Shanghai auch neben den chinesischen Schriftzeichen auch mit Englisch betitelt, aber allein mit Englisch kommt man nicht all zu weit, denn oft kam auf eine englische Frage nur ein Schulterzucken von den Angesprochenen zurück. Wie auch immer, ich möchte auf jeden Fall noch mal zurück.

Ich hatte nur mein kleindes Gedeck an Ausrüstung dabei – die D4 und das 24-70mmm. Und habe die Kamera auch nicht ständig mitgeschleppt. Drum nachstehend noch einige schäbige iPhone-Bilder, der aber doch ein wenig Shanghai transportieren können: